Neubau Bürgeramt Schkeuditz

Bauherr: Stadtverwaltung Schkeuditz, Bau- und Schulamt

Baubeginn: Mai 2010

Fertigstellung: November 2012 

REDE ZUR FEIERLICHEN SCHLÜSSELÜBERGABE AM 22.11.2012

Das neue Verwaltungsgebäude der Stadt Schkeuditz, das Rathaus II mit Bürgeramt, ist fertiggestellt und in Betrieb gegangen.

Es ist stabil gebaut, funktional organisiert, in vielen Punkten nachhaltig, städtebaulich eine futuristische Dominante im Stadtkern und architektonisch ein Hingucker.

Wir haben uns hier versammelt, um die feierliche Eröffnung zu begehen.


RÜCKBLICK


Am 14. Mai 2009, stellte ich den Vorentwurf für das geplante Rathaus II im Stadtrat vor.

Dem vorausgegangene Standpunktfindungen der Verantwortlichen der Stadtverwaltung hatten nun einhellig zu der Überzeugung geführt, dass man das Haus so bauen könne.

Herr Enke sprach später anlässlich der Grundsteinlegung von einem Traum
„Bürgeramt" der unerlässlich sei, um die Zukunft gestalten zu können.

Aber etwas lag immer noch in der Luft, nämlich die Frage:

Wie werden die Schkeuditzer Bürger diesen futuristische Entwurf aufnehmen?
Sie seien mit einem derartigen Problem bisher nicht konfrontiert worden und ein Rathaus baut man ja nicht mal all Jahre.

Davon war dann in der Stadtratssitzung allerdings nichts zu spüren und es gab eine fruchtbare Diskussion und wertvolle Hinweise, die für die weitere Planung Mut machten.

Immer begleitet mit Bild und Text in der LVZ konnte jeder das Wachstum und die Vollendung des Rathaus II verfolgen, schon als Baustelle prägte es die Stadtmitte weiter mit aus.
Die Architektur setzt anspruchsvolle Maßstäbe für die Bebauung des noch zu arrondierenden Rathausplatzes.

 

ZUM ENTWURF


Der Standort am Rathausplatz ist städtebaulich durch die Lage an der Trennlinie zwischen historischem Altstadtkern und der Neuzeit des 19.Jahrhunderts eine Besonderheit.

Daraus resultiert der erste Gedanke des Entwurfes, das Bauwerk zum Platz hin hoch ( jetzt 17,75m - 4-geschossig + Dachgeschoss )zu entwickeln und zur Altstadt auf eine dort vorherrschende Höhe von ca. 6 m herab zu zonen.

Als nächstes wurde der Gedanke geboren, das so entstandene große Pultdach korrekt nach Süden, mit einem optimalen Neigungswinkel zur Sonnenstrahlung von 30°, auszurichten und mittels Photovoltaikmodulen als Sonnendach auszubilden.

Wenn man nun diesen Gedanken weiterführte und auch noch die vierte, die südliche Fassade in das Dach integrierte, entstand eine maximale Sonnen-Stromfläche von 550 qm.

Nach Auskunft der Stadtwerke Schkeuditz, als Errichter und Betreiber der Anlage, hat das Dach in dem Zeitraum vom 1. September 2011 bis 1. September 2012, 60.761 kWh erzeugt.

 

Sodann entwickelte sich die Grundidee des prismatischen Baukörpers als Form eines Gebäudes im Zeitgeist der Nachhaltigkeit und des energieeffizienten Bauens heute.

Ideal ergab die Stapelung der Nutzungen nach ihrem Flächenbedarf von unten nach oben die Hauptfassade zum Rathausplatz.

- EG Bürgeramt, als großangelegter Service- und Informationsbereich für nahezu alle Bürgerangelegenheiten.

Ein Foyer, dessen Säulen nicht nur symbolisch die großen Lasten des Zentralen Stadtarchives im 1. OG auf die Fundamente Übertragen.

- 2. OG das komplette Ordnungsamt als Hauptgeschoss des Verwaltungsgebäudes mit dem Sozialbereich für die Mitarbeiter

- 3.OG das Amt für Stadtentwicklung und Wirtschaft, der eigentliche Initiator für die Auswahl dieses Standortes am Rathausplatz

- DG der Spitzboden mit allen Technischen Ausrüstungen, die dem Gebäude zusammen mit den Technikräumen im EG einen hohen Gebrauchsstandard garantieren.


Schon immer war es das Anliegen des Architekten, den Entwurf geologisch, klimatisch und soziologisch richtig zu positionieren. Aber niemals waren die verfügbaren Standards der Gebäudetechnik so hoch entwickelt wie heute.
Der Aufbruch in eine neue Energiezeit muss auch als eine Herausforderung an die architektonische Umwelt verstanden werden.

Schritt um Schritt wird es neue Häuser geben, die anders aussehen. Die neuen energieeffizienten Häuser werden auch die gewachsenen historischen Stadtbilder mit großer Formenvielfalt ausgestalten und kräftig der Monotonie begegnen.

Das hatte ich 2009 in der Stadtratssitzung zur Begründung des Entwurfes gesagt.


ZUM DREIECKIGEN GRUNDRISS

Wie bereits vorn erwähnt, wurde die 4. Fassade in das Dach integriert.
Logischer Weise funktioniert das nur mit einem dreieckige Grundriss des Gebäudes.

Das Dreieck als geometrische Form ist immer unverrückbar festgelegt.
Die Summe aller Winkel ist immer 180°, und einmal definiert, ist die Form endgültig.
Das Dreieck ist für mich daher ein Ausdruck von Berechenbarkeit und Stabilität, aber auch von hoheitlicher Dominanz und Sicherheit.

Ein dreidimensionales Dreieck ergibt eine Pyramide oder ein Prisma, das wir
als lichtbrechenden Glaskörper kennen. Es zerlegt das Sonnenlicht in seine Spektralfarben. Das ist für das Zentrum einer Bürgerschaft eine gute Symbolik.

Hier in Schkeuditz heißt das CI - corporate identity - mit der Hauptfarbe ROT.
Allerdings gab es das schon vor dem Entwurf.

Die nun einmal gefundene Dreiecksform entpuppte sich auch als äußerst gut geeignet, die geplante vielseitige Rathausnutzung des Gebäudes effektiv unterzubringen und mit Offenheit und Transparenz auszugestalten,

Alle Büros haben große Nordfenster ohne aufheizende und blendende Sonneneinstrahlung mit unverbaubarem Blick in das städtische Grün, die Grundrisse der Etagen sind übersichtlich und für den Besucher leicht zu erschließen, in das zentrale Foyer des Bürgeramtes fällt von allen Seiten Licht hinein und die Glaswände lassen vielfältige Sichtbeziehungen zu.

Mit der eingebaute Gebäudetechnik wird für Aufenthaltsbehaglichkeit und hohen Sicherheitsstandard in jeder Hinsicht gesorgt.

Und nicht zuletzt können dem Gebäude beachtliche Merkmale der Nachhaltigkeit zugesprochen werden, wie z.B. die Temperatur beharrende Betonkonstruktion des Rohbaues, die dauerhafte Witterungsbeständigkeit und Wartungsfreiheit der Fassade oder die konstruktiv austauschbare innere Raumstruktur.
Ebenso die niedertemperaturige Fußbodenheizung in allen Aufenthaltsräumen, der Einsatz der Geothermie für die Temperierung des Zentralarchives und nicht zuletzt die Gewinnung von Solarstrom in einer Größenordnung, die wahrscheinlich den Stromverbrauch des Gebäudes decken könnte.

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jörg Enke,


Nun noch

Herzlichen Dank für das große Vertrauen auf unser Leistungsvermögen,
und für Ihr riesiges persönliches Engagemant als Bauherr dieses wichtigen städtischen Gebäudes.

Ich habe die große Ehre, Ihnen im Namen aller am Bau beteiligten Planer Unternehmer, Handwerker und aller dienstbaren Geister, heute den symbolischen Schlüssel für das Rathaus II zu übergeben.

Herzliche Glückwünsche für das neue Haus.

Es möge allem Unbill widerstehen, seinen Nutzern Freude bei der Arbeit machen und für die Anliegen seiner Benutzer immer offen sein.

 





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